Bimbo stutzt beim Betreten des Wohnzimmers, das Friedrich soeben verlässt. Was steht da an der Tür? Aufmerksam schleicht er um das neue Tischchen.Die Schnupperprobe ergibt  eine Bedrohung ist nicht erkennbar. Nur den starken Lackgeruch empfindet er seltsam. Das Material aber kennt Bimbo genau und schon wird ein Kratztest vorgenommen. Nein, eignet sich nicht zum Schärfen der Krallen, denn sie rutschen ab. Das darauf befindliche Telefon hat er beim ersten Blick erspäht. Auch etwas Platz ist daneben vorhanden. Dort liegen ein Notizblock und ein Stift. Er springt hoch, tastet an dem Kugelschreiber, bis er zu Boden fällt. Damit kann man später weiter spielen. Wichtiger ist jetzt das Gerät, mit dem Friedrich manchmal redet, nachdem diese seltsame Laute ertönen. Bisher stand es in einem Regal und Bimbo fand keine Lücke, um an das Telefon heranzukommen. Der Biss in das Kabel ist eine normale Materialprüfung und er erkennt keinen ihn interessanten Verwendungszweck. Doch es wackelt bei Berührung. Zumindest deutet diese Schnur einen Unterhaltungswert an. Hat doch sein Diener endlich mal den Sprechkasten auch für den Katzenzugriff bereitgestellt. Dann betrachtet Bimbo aufmerksam den Hörer. Genau da hinein gibt Friedrich Worte ab. Neugierde treibt den Kater an. Mit einer Pfote will er ihn bewegen. Erst nach mehreren Versuchen gelingt es, das Ding hinab zu befördern. Jetzt ertönt ein fremdes Signal. Mit den Fingern spielt Friedrich gern auf den Tasten. Bimbo vermutet einen Zusammenhang, denn erst danach redet der Mensch.Schon drückt ein Pfötchen darauf. Doch nichts passiert, trotz seines Miau. Also ist dieser Menschenkram für ihn nicht wichtig. Was könnte man noch machen in dieser neuen Position? Sein Blick gleitet zur Türklinke. Die Pfote reicht hinüber, aber der Kontaktbewegt den Griff nicht. Menschen drücken darauf, bevor das Brett aufgeht. Den Zusammenhang erkannte Bimbo schon sehr früh. Doch bisherige Sprünge daran blieben erfolglos. Immer rutschte er ab, ohne etwas zu verändern. Nun will er die neue Situation nutzen.
Bimbo balanciert näher an die Tür. Beide Vorderpfoten greifen über und als er den ganzen Fünfkilokörper drauf drückt, öffnet sie sich. Dann schwingt Bimbo hängend in den Flur. Sofort versteht der Kater, nun wird er sein Katzenleben unabhängiger gestalten. Er fällt hinab und läuft zurück ins Zimmer.

Zwei Stunden später lauscht Bimbo dem Geräusch, das vom Haustürschloss ausgeht. Schon die ersten Schritte kündigen an, Friedrich ist zurück. An den festen Fußauftritten erkennt er, sein Freund trägt eine schwere Last. Er erhebt sich gähnend, spitzt die Ohren auf Vollempfang. Nach solch langem Fernbleiben und dem Tragen von Gepäck hofft er auf eine Leckerei. Bimbo springt von seinem Sitz und rennt mit erwartungsvoll gehobenem Schwanz dem Ankömmling entgegen. Zwei große prall gefüllte Taschen hängen an den Menschenarmen. Bimbo begrüßt ihn mit einem freundlichen Katzenlaut. Friedrich aber bleibt am Eingang stehen, schüttelt den Kopf und sagt: „Habe ich die Tür nicht richtig eingeklinkt? Passiert mir eigentlich ganz selten.“ Dann sieht er den Telefonhörer und überlegt, ob er ihn vergaß aufzulegen, als er vom neuen Standort einen Probeanruf zur Schwägerin unternahm. Alles seltsam, die Tür offen, der Hörer liegt nicht auf – als wäre jemand hier gewesen und hätte telefoniert. Ja, ganz so, als wurde der Fremde durch Friedrichs Rückkehr überrascht.
Ein schrecklicher Gedanke, denn da wäre er noch im Haus. Oder sind beide Erscheinungen doch nur ein Zufall? Die ungeduldigen, nun energisch fordernden Klagelaute des Katers lenken seine Gedanken ab. Bimbo schmust an den Taschen, hockt danach auf den Hinterpfoten und schaut Friedrich an, als würde der baldige Hungertod einsetzen. Gegen diesen speziellen Bettelblick ist der Katzenfreund machtlos, obwohl er oft versuchte, sein Haustier zur Geduld zu erziehen. Es nützt jetzt nichts den Gleichgültigen zu spielen, denn Bimbos Jammern, aus seinen Augen springendes Leid und das aufdringliche Anschmiegen an die Beine wird die weiteren Handgriffe diktieren. Und weil Friedrich diese Situation schon viele Male erlebte, fügt er sich mit den Worten: „Aber wenigstens die Tür darf ich doch schließen, gnädiger Herr Kater?"
So viel Geduld bringt Bimbo auf. Dann stellt Friedrich gehorsam zuerst jene Tasche auf den Tisch, in welcher der Einkauf beim Fleischer lagert und entnimmt ein Päckchen mit frisch durch den Wolf gedrehter Katzenfreude. Sein Kater streift schnuppernd einige Runden um die Tasche. Als der Geruch zunimmt, springt er zum Fressnapf, denn nun wird es sein Futterknecht nicht wagen, die fällig gewordene Herausgabe unnötig zu verzögern. Dann schmatzt der „gnädige Herr“ einen Teil der Portion weg und lässt den Rest liegen. Er ist jetzt ohnehin sicher. Mit kräftigem Sprung landet Bimbo wieder oben und kontrolliert das wei-tere Auspacken. Er hatte in der Anfangszeit des Zusammenlebens mit seinem Zweibeiner große Erziehungsprobleme beim Durchsetzen dieses Rituals. Da wollte ihm der Friedrich tatsächlich untersagen, während des Auspackens eine Kontrolle auf dem Tisch vorzunehmen! Bimbo weiß natürlich nicht, wer dem Mann dieses Verhalten beibrachte. Es war seine verstorbene Frau und es waren damals auch andere Katzen. Inzwischen zeigt der Rentner Altersnachsicht und Bimbo ist ein sehr willensstarker Kater, der seinem Menschen nicht jede Marotte durchgehen lässt!
Plötzlich fällt Friedrich das Telefon ein. Er eilt zum neuen Tischchen und legt auf. Mit einem kurzen Satz springt Bimbo neben das Gerät und schmust seinem Untertan die Handfläche. Bei künftigen Gesprächen wird er diesen Vorgang wiederholen und wenn die Katze wegen einem Langgeschwätz keine geforderte Aufmerksamkeit erhält, wird auch der Biss ins Kabel angedroht. Mehrmals wird der Hörer herabhängen und nach einer Woche der Friedrich die Zusammenhänge verstehen. Dann kauft er ein schnurloses Zusatzgerät. Es ist eben alles für die Katz, was manche Menschen machen.